Nachtklang im Museum IV: Klänge der Moderne, Bilder des Aufbruchs
Programm
Mit Musik von J. S. Bach, L. Janáček, B. Britten, V. Dinescu und C. Debussy
Mitwirkende
Musiker:innen des Kammerorchester Basel
Isabelle Schnöller, Flöte
Über Isabelle
Schliessen
Isabelle Schnöller ist neben ihrer Tätigkeit als Soloflötistin des Kammerorchester Basel Mitglied der Camerata Variabile und des Arion Bläserquintetts. Seit September 2018 betreut sie ausserdem als Dozentin eine Flötenklasse an der Musikhochschule Luzern. Solo- und Kammermusikkonzerte führten sie in zahlreiche Länder Europas, nach Nordamerika und Aserbaidschan, und als Solistin war sie Gast an den Berliner Festwochen, dem Varga Festival Sion, dem New Music Festival Toronto, dem Mozartfest Würzburg, dem Båstad Festival und dem Solsberg Festival. Inspiriert von ihrem Spiel schrieben mehrere Komponisten Werke für sie: u.a. Robert Aitken, Helena Winkelman, David-Philip Hefti und zuletzt Hans-Martin Linde, dessen Arioso sie im Dezember 2017 mit dem Kammerorchester I Tempi unter Gevorg Gharabekyan uraufführte. Solo-CDs mit klassischen und zeitgenössischen Werken erschienen bei Jecklin, Ars Musici, derecha, Arte Nova und der edition zeitklang. Isabelle Schnöller wurde in Basel geboren und studierte da bei Prof. Kiyoshi Kasai und später bei Prof. Robert Aitken an der Musikhochschule Freiburg i.Br. Nach zahlreichen Preisen und Stipendien in der Schweiz gewann sie 1992 den Internationalen Musikwettbewerb der jeunesses Musicales in Belgrad. 1993 erlangte sie das Solistendiplom mit Auszeichnung und ergänzte danach ihr Studium als Stipendiatin am Banff Centre for Fine Arts Canada.
Wenn Du ein anderes Instrument spielen könntest, welches wäre es? Ich bleibe bei der Flöte! Für mich ist sie das schönste Instrument. In meiner Kindheit haben wir auf längeren Autofahrten Musik gehört. Auf einer Kassette war die Haydn-Sinfonie «le matin» mit ihren prägnanten Flötensoli. Ich habe immer ganz gebannt zugehört und mir heimlich und innig gewünscht, einmal in einem Orchester solche Flötenpartien spielen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist.
Welche sind Deine bevorzugten Auftrittsorte? Es gibt sehr viele Orte mit fantastischen Konzertsälen und hervorragender Akustik. Aber auch ein treues Publikum oder ein umsorgender Veranstalter zeichnen einen Veranstaltungsort aus. Da wir mit dem Kammerorchester Basel sehr viel unterwegs sind, ist sicherlich ein bevorzugter Auftrittsort zu Hause in Basel (im Stadtcasino)! Es ist immer etwas Besonderes, vor dem «Heimpublikum» zu spielen. Ausserdem kann ich danach zu Hause im eigenen Bett schlafen und brauche nicht in einem Hotel zu übernachten.
Was macht ein Konzert perfekt? Wenn die Anspannung im Konzert weicht und wir als Orchester etwas Wunderbares «erschaffen», wenn der Funke unter den Kolleginnen und Kollegen und auch zum Publikum überspringt. Und dann natürlich ein begeisterter Applaus des Publikums!
Schliessen
Matthias Arter, Oboe
Über Matthias
Schliessen
Der Oboist und Komponist Matthias Arter wurde 1964 in Zürich geboren. Nach Studien in Zürich (Peter Fuchs und Thomas Indermühle) sowie in Freiburg i. Br. (Heinz Holliger) etablierte er sich rasch als Kammermusiker und Solist, wobei er der zeitgenössischen Musik stets einen besonderen Stellenwert gab. Heute ist er Dozent an der Hochschule der Künste Bern, Solooboist im Kammerorchester Basel, Mitglied des Collegium Novum Zürich und wirkt als Oboe Coach bei der Lucerne Festival Academy. Ausserdem trägt er die künstlerische Verantwortung für verschiedene Ensembles und Projekte wie etwa Pre-Art und betätigt sich im wissenschaftlichen Feld der Interpretationsforschung auf der Basis historischer Aufnahmen. Arter hat zahlreiche solistische CDs mit zeitgenössischer Musik und Improvisationen herausgegeben, wie Oboe solo (Pan Classics), Oboe plus (Col Legno) sowie Couleurs (En Avant Records). Daneben sind auch das Gesamtwerk für Oboe von Charles Koechlin und die Sinfoniae Concertante von W. A. Mozart, Joseph Haydn, Ignaz Pleyel und Bohuslav Martinu (mit dem Kammerorchester Basel, Sony und Arte Nova), sowie Aufnahmen mit dem Ensemble Æquatuor (ECM, En Avant Records und MGB) erhältlich. Auf einer neueren CD (Pre-Art Music) kombiniert Arter zwei Oboenkonzerte, die eigens für ihn komponiert wurden (von William Blank und Emre Sihan Kaleli), mit drei Solostücken der 50er-Jahre von Benjamin Britten, Paul Huber und Heinz Holliger. 2009 erschien bei Neos eine Portrait-CD mit Solostücken, die Arter zwischen 1993 und 2006 komponierte. Sein kompositorisches Œuvre umfasst ausserdem Kammermusik, Vokal- und Orchesterwerke. Mit ...Wotan... schuf er 2013 das erste konzertante Werk für die neu erfundene Bassoboe, das Lupophon. Eine seiner jüngeren Arbeiten, Aquarell über Bachs Ricercar a 6 für Kammerorchester, wurde in den grossen Konzertsälen Europas gespielt, so dem Konzerthaus Berlin, dem Musikverein Wien, der Tonhalle Zürich und der Philharmonie Köln. Matthias Arter tritt solistisch (u.a. mit dem Kammerorchester Basel, dem Lemanic Modern Ensemble oder dem Berner Kammerorchester) und als Kammermusiker bei zahlreichen Festivals und Konzertreihen auf, so dem Lucerne Festival, den Wittener Tagen für neue Kammermusik, dem IRCAM Paris, der Biennale Zagreb, den Migros Classics und den World Music Days.
Hast Du ein Lieblingsstück, das Du immer wieder hörst? Das ist jeden Tag, ja vielleicht jede Minute ein anderes. In letzter Zeit war es etwa Beethovens Grosse Fuge, das Schlussduett aus Monteverdis Poppea, Mahlers Adagietto, Vaughan-Williams' Oboenkonzert oder Octandre von Edgar Varèse. Wenn ich komponiere, ist es ausserdem ziemlich vorteilhaft, wenn die eigene Komposition in dieser Phase zu einen Lieblingsstück wird.
Welche CD würdest Du auf die vielzitierte einsame Insel mitnehmen? Eine einzige CD wäre sehr armselig! Ich würde dann viel lieber gleich auf alle CDs verzichten und Musik ausschliesslich live erleben wollen.
Worin liegt für Dich die grösste Herausforderung als Musiker? Man ist permanent unter einem gewissen Druck: auf der Bühne zu stehen, Höchstleistungen live abzurufen, ohne Gedanken an das Zuvor oder das Danach.
Schliessen
Etele Dosa, Klarinette
Über Etele
Schliessen
Etele Dósa studierte an der Musikakademie Budapest und an der Hochschule für Musik Basel bei François Benda sowie historische Klarinette an der Schola Cantorum Basiliensis bei Pierre-André Taillard. Er ist Preisträger mehrerer Wettbewerbe, darunter Dos Hermanas Sevilla (Spanien), Caltanissetta und Città di Carlino (Italien). 2005 gewann er den 1. Preis im Wettbewerb der Basler Orchestergesellschaft. Er tritt mit verschiedenen Ensembles auf, darunter die Kammersolisten Zug sowie renommierten Barockorchestern wie La Cetra, La Scintilla, Capriccio Basel, Capella Augustina und Il Gusto Barocco. Darüber hinaus widmet er sich regelmässig an Klezmer und Volksmusik. Seit November 2010 ist er stellvertretender Soloklarinettist des Kammerorchesters Basel. 2025 übernahm er eine Dozentur für historische Klarinette an der ZHdK inne und unterrichtet seither auch Klarinette an der Musikschule Binningen-Bottmingen.
Schliessen
Markus Niederhauser, Klarinette
Über Markus
Schliessen
Markus Niederhauser ist seit 1996 Soloklarinettist im Bieler Sinfonieorchester und seit dem Jahr 2000 auch im Kammerorchester Basel. Im Zentrum seiner musikalischen Tätigkeiten stehen Konzerte mit Kammerensembles: den Antipodes, Swiss Clarinet Players, Le Trio d'Anches, Ensemble Elis und seit vielen Jahren im Duo (oder Trio) mit Iris Haefely. Besonders mit dem Ensemble Anitpodes hat er zahlreiche Solo-und Ensemblestücke uraufgeführt, wie etwa in den gemeinsamen Konzerten mit der Irish Composers Society in Dublin, an den Weltmusiktagen in Luxembourg, Hongkong und der Schweiz, in vielen Konzerten in ganz Europa und den USA. Markus Niederhauser ist auch als Bass- und Kontrabassklarinettist zu hören.
Schliessen
Matthias Bühlmann, Fagott
Über Matthias
Schliessen
Matthias Bühlmann wurde als Sohn eines Musikers in Basel geboren. Er erhielt seinen ersten Fagottunterricht bei Jirí Stavicek, bei dem er später an der Musikakademie Basel studierte und seine Ausbildung mit dem Lehr-, Orchester und Solistendiplom abschloss. Weitere Studien und Meisterkurse absolvierte er bei Milan Turković und William Waterhouse in London. Im Alter von 17 Jahren trat er zum ersten Mal mit dem Radio-Sinfonie Orchester Basel als Solist auf. Er gewann 1991 den Wettbewerb Förderung junger Musiker der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) und nahm als Finalist am internationalen Wettbewerb in Frankfurt a.M. teil. Weitere Konzerte als Solist folgten u.a. mit dem Basler Sinfonieorchester, dem Kammerorchester Basel, dem Orchestre de chambre de Neuchâtel, dem Orchestre Philharmonique de Rohdanien (F) und mit den «Solisti di Svizzera Italiana». Als gefragter Kammermusiker ist er u.a. Mitglied des Zürcher Bläserensembles Oktomania, des Schweizer Oktetts und des Arion Bläserquintetts. Matthias Bühlmann ist Solo-Fagottist des Kammerorchester Basel und Mitglied des Sinfonieorchesters Basel.
Gibt es auch Musik, die Du nicht ausstehen kannst? Eigentlich nein. Ich mag fast jede Art von Musik. Nur bin ich bei gewissen U-Musikstilrichtungen schneller genervt oder gelangweilt.
Du spielst im Kammerorchester Basel und im Sinfonieorchester Basel. Für welches Orchester schlägt Dein Herz? Eine sehr schwierige Frage, die ich eigentlich so nicht beantworten kann. In beiden Klangkörpern spiele ich sehr gerne mit und finde gerade die Unterschiede, wie einerseits musikalisch die gleichen Noten verschieden interpretiert werden und anderseits auch von der Struktur her Visionen und Probleme angegangen werden, äusserst spannend. Ich möchte das auch gar nicht werten. Denn die 50 % Anstellung im Sinfonieorchester Basel, die Mitgliedschaft im Kammerorchester Basel und eine kleine Unterrichtstätigkeit ergibt für mich ein spannendes Leben, dass ich als Ganzes sehe und wofür mein Herz schlägt.
Schliessen
Konstantin Timokhine, Horn
Über Konstantin
Schliessen
In Kiev (Ukraine) geboren, gab Konstantin Timokhine mit 17 Jahren sein Solo-Debüt auf einer Japan-Tournee. Er wurde zunächst in seiner Heimat, später an den Musikhochschulen in Genf bei Bruno Schneider und Winterthur bei David W. Johnson ausgebildet und erlangte zwei Solistendiplome mit höchster Auszeichnung. Es folgten weitere Studien für Barock- und Naturhorn bei Glen Borling an der Orchesterakademie des Opernhauses Zürich und internationale Auszeichnungen. Nachdem er Solo-Hornist im Kammerorchester Genf, Hornist im Orchester der Oper Zürich und Solo-Hornist im Symphonieorchester St. Gallen war, konzertiert Konstantin Timokhine heute weltweit als Solo-Hornist mit renommierten Ensembles und Orchestern u.a. wie Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski, Il Giardino Armonico, Orchester Ensemble Kanazawa (Japan), Ensemble Instrumental de Lausanne unter Michel Corboz und Newport Virtuosi (USA). Seit Januar 2013 ist er Solo-Hornist und Mitglied des Kammerorchester Basel. Konstantin Timokhine hat bei verschiedenen namhaften Labels wie Sony und Naïve Einspielungen veröffentlicht und ist in Aufnahmen verschiedener Rundfunksender involviert.
Schliessen
Konzertdetails
Das Programm des Nachtklangs im Kunstmuseum – zum ersten Mal als Matinée – schlägt einen Bogen von Bach über die klassische Moderne bis in die Gegenwart.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte in allen Lebensbereichen eine spürbare Aufbruchstimmung: Gesellschaftliche und politische Umwälzungen waren im Gange, und in der bildenden Kunst wie in der Musik brachen altes Formempfinden und überlieferte Hörgewohnheiten gleichzeitig auf. Chagall liess in seinen schwebenden, traumbildhaften Kompositionen Dorf und Himmel, Liebe und Musik ineinanderfliessen; Kandinsky löste sich vom gegenständlichen Bild und suchte die reine Wirkung der Farbe. Es ist der gleiche Geist des Neubeginns, der auch die Musik ergriff – und ihm entspricht in besonderer Weise das Werk Mládí (Jugend) von Leoš Janáček.
«Jugend, goldene Jugend» (Mládí, zlaté Mládí) – so jubelt die Oboe zu Beginn von Janáčeks Bläsersextett Mládí. Das Werk ist rein instrumental, doch Janáček denkt hier, wie so oft, vom gesprochenen Wort her: die Sprechmelodie des Ausrufs wird in eine instrumentale Linie übertragen, als Erinnerung an seine eigene Jugend. Dabei kommen nicht nur goldene, sondern durchaus auch gemischte Gefühle zum Vorschein.
Benjamin Britten hat wahrscheinlich Janáčeks Bläsersextett Mládí gehört und sich davon inspirieren lassen, als er mit nur 16 Jahren den einzigen Satz seines Bläsersextetts komponierte. Er setzt darin atonale Elemente ein, bewegt sich aber noch innerhalb der tonalen Klangwelt, die er erst später verlassen wird.
Wie Chagall und Kandinsky in der Malerei die Wirklichkeit neu zusammensetzen, löst Claude Debussy in der Musik die festgefügten Formen auf: Atmosphäre und der flüchtige Augenblick werden wichtiger als entwickelte Themen. In diesem Sinn steht auch Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune in der Bearbeitung für sechs Bläser für einen Wendepunkt in der Entwicklung zur modernen Musik.
Johann Sebastian Bachs sechsstimmiges Ricercar ist eine monumentale Fuge, die als Höhepunkt seines Spätwerks gilt. Sechs Stimmen führen das königliche Thema nacheinander ein und durchlaufen den Tonartenplan. Anfang des 20. Jahrhunderts war man der Meinung, Bachs Spätwerk sei nicht für ein bestimmtes Instrument komponiert worden. Daher entstanden viele Orchestrierungen – bis heute: wir spielen die Bearbeitung von Matthias Arter, Solo-Oboist des Kammerorchester Basel. Dadurch rückt Bachs kontrapunktische Grösse in die Nähe jener Aufbruchsbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Mit Violeta Dinescu (*1953) reicht das Programm bis in die unmittelbare Gegenwart. Ihre Komposition Alternanzen für Bläserquintett, knüpft an dieselbe Besetzung an, die auch bei Janáček und Britten im Zentrum steht. Die Alternanzen verbinden die Bläsertradition der klassischen Moderne mit einer zeitgenössischen, von osteuropäischer Klangsprache geprägten Tonschrift.
Nachtklang im Museum – die Konzertreihe
Der Nachtklang, die etwa einstündige entspannte Konzertreise in unterschiedliche musikalische Gefilde, ist in der Saison 2026/27 in vier Basler Museen zu Gast. Die Musiker:innen des Kammerorchester Basel setzen sich musikalisch mit den Ausstellungen, die sie umgeben, auseinander. Dem Publikum bietet sich die Gelegenheit, vor dem Konzert die jeweiligen Ausstellungen zu besuchen und im Anschluss die Musik zu geniessen.
Ticketpreis Konzert inkl. Museumseintritt: CHF 40.- Alle Konzerte der Reihe «Nachtklang im Museum» sind auch als Nachtklang-Pass zum Vorteilspreis erhältlich.