Aus Überzeugung

Das Kammerorchester Basel braucht nicht viel, aber genug

Wenn man vor dreitausend Jahren einen Ägypter gefragt hätte, ob Musik staatlich gefördert werden sollte, hätte er die Frage wie selbstverständlich bejaht.

Musik gehörte nämlich zu wortwörtlich allem, was damals gesellschaftliches Leben begleitete: Prozessionen und Familienfeste, Geburtstage oder Trauerfeier wären ohne Harfen und Rahmenrassel, ohne Chordirigenten und Klagefrauen undenkbar gewesen. Musizieren war die Quintessenz eines sprichwörtlichen «schönen Tages».
Dasselbe dürfte auch für uns in Basel gelten. Auch für uns ist Musik kulturelle Grundnahrung. Zwar variiert unser musikalischer Geschmack nach Alter oder Sozialisierung, aber niemand käme auf die Idee, Musik nicht als «systemrelevant» anzusehen, wie wir spätestens seit der Pandemie wissen.

Das gilt für das Kammerorchester Basel, das als musikalischer Leuchtturm in der Region Basel gehört werden möchte und gesellschaftliche Kohäsion stiftet.
Aber anders als die altägyptischen Musiker, die alle aus der Kasse des Pharaos bezahlt wurden, finanziert sich das Kammerorchester Basel in hohem Masse selbst. Und das ist in unserem nicht pyramidalen, sondern liberalen Weltbild mehr als nur erstaunlich.
Dennoch darf sich bei so einem wichtigen Botschafter humanistischer Werte, die heute gefährdeter erscheinen als sonst, unser politisches Gemeinwesen nicht gänzlich aussen vorhalten.
Ein ausreichender Beitrag der öffentlichen Hand ist deshalb nicht nur eine Anerkennung der konzertanten und betrieblichen Leistungen des Kammerorchester Basel für die Region, in dem es beheimatet ist, sondern auch ein Zeichen ihres Bekenntnisses zur gesellschaftsrelevanten Ausstrahlung, die das Kammerorchester Basel hier und dort in die Welt trägt. Das ist bisher nicht (zu) viel… aber leider (noch) nicht ganz genug.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Antonio Loprieno, Vorstandsmitglied Verein Kammerorchester Basel 

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Das Kammerorchester Basel lässt sich nicht nur hören, sondern auch erleben

Dieses Ensemble ist mehr als nur ein Arbeitsplatz: Es ist ein Ort des gemeinsamen Atmens, Hörens, Reibens und Wachsens.

Ziel ist es, nicht nur schön zu spielen, sondern Musik innerlich zu durchdringen und alle erdenklichen Emotionen erfahrbar zu machen – für uns und unser Publikum. Routine allein oder handwerkliches Geschick genügen nicht. Es braucht unsere innere Dialogfähigkeit mit uns selbst und den Kollegen:innen. Nur was wir selbst hören, kann mit unserem Publikum geteilt werden und unser Innerstes berühren. Darum sind wir ständig auf der Suche nach klanglicher Relevanz. Nur so werden unsere Konzerte zu einem Erlebnis und sind nicht nur einfach ein Hörgenuss. 

Georg Dettweiler, Violoncello

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Das Kammerorchester Basel macht aus Altem viel Neues

Für uns ist Innovation kein Schlagwort, sondern eine Haltung; getragen von der Neugier und dem Drang zur steten Erneuerung.

Je nach Repertoire greifen wir bewusst zu barocken, klassischen oder modernen Instrumenten. Diese Vielfalt ist explizit Teil eines musikalischen Selbstverständnisses. Unser Klang ist durchlässig, beweglich, transparent, aber auch pulsierend, voller Energie. Das zeigt sich in den Konzertsälen, zeigt sich aber ebenso bei Vermittlungs- und Inklusionsprojekten oder den Versuchen, neue Konzertformate zu gestalten.
Ob Musik durch ein Schulzimmer oder das REHAB Basel zieht, wenn sie bei «Don Boscos Garden» Räume durchquert oder sich bei «Nachtklang Experimental» mit Improvisation, Elektronik, Tanz, Malerei und Performance verbindet. Wir verstehen «unser» Orchester als Ermöglichungsraum für Verantwortung, Veränderung und künstlerische Freiheit. Tradition lebt, wenn man sie befragt.

Stefan Preyer, Solo-Kontrabass

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Das Kammerorchester Basel spielt auch ohne Dirigent:in

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Ohne Dirigent:in zu spielen, ist nicht nur ein Ausnahmezustand! Dahinter verbirgt sich eine Haltung.

Im Kammerorchester Basel ist diese Art des Musizierens Teil unserer Identität geworden: aufeinander hören und sich gegenseitig sehen. Und gemeinsam atmen. Das ist nicht nur eine Option, sondern conditio sine qua non! Als Fagottist lernt man, dass ein Blick, ein Atemzug oder eine kleine Bewegung eines Kollegen genauso viel bedeuten kann wie ein Taktstock. In solchen Momenten wird Musik nicht geleitet, sondern gemeinsam getragen. Wenn alles stimmt, wird das Orchester zum lebendigen Organismus. Ohne Dirigent:in zu spielen, bedeutet mehr Verantwortung für alle. Diese Verpflichtung stiftet aber auch Freiheit, Raum für Kreativität und Eigeninitiative. Jede Stimme und jede Stimmung zählen. Die Musik leitet uns und das Vertrauen zueinander stellt den stärksten Impuls dar.

Matteo Severi, Fagott

Das Kammerorchester Basel spielt daheim, aber auch auf der ganzen Welt

Die Programme des Kammerorchester Basel in die Welt, vor allem ins europäische Umland und in die Schweiz zu tragen, war seit der Gründung dieses Ensembles eine Art Mission.

Beseelt vom Konzept, der Musikwelt etwas Unverwechselbares im Feld der weltweiten Konzertszene zu bieten, war die Ambition. Es ging darum, Projekte auf die Beine zu stellen, die nicht nur in Basel, sondern auch in Rom, Paris oder Wien mehr als nur reüssieren. Schon das erste Auslandskonzert bei den Ludwigsburger Schlosskonzerten im Jahr 1997 galt für die Mitwirkenden als Ritterschlag. Als Cellist, Orchestermitglied und Geschäftsführer bis 2012 war die Aufgabe, hörbar bewegende Konzerte zu produzieren und Schritt für Schritt ein Netzwerk mit Konzertveranstalter:innen, Festivals und ausländischen Agenturen aufzubauen. Dieses Netzwerk ist heute die Grundlage für einen Teil des Geschäftsmodells des Kammerorchester Basel. Ohne die bewusst gestalteten Partnerschaften mit einer weltweiten Kundschaft wären viele Konzertprojekte des Orchesters nicht umsetzbar oder fragwürdig, weil die Ambition, international zu spielen, eine wichtige Motivation für die Daseinsberechtigung des Kammerorchester Basel ist.

Christoph Müller, künstlerischer Delegierter und Konzertmanager

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Das Kammerorchester Basel ist mehr als ein Orchester

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Sind es Konzerte mit hochrangigen Solist:innen und Dirigent:innen, ausgefallene Konzertprogramme, motivierte Musiker:innen, besonders gute internationale Konzert- und Aufnahmekritiken oder ist es die musikalische Exzellenz, die ein Orchester auch als Unternehmen erfolgreich macht?

Wahrscheinlich ist es die Kombination all dieser Charakteristiken, die das Kammerorchester Basel zu dem machen, was es heute darstellt. Doch das einzelne Konzert oder die outstanding Performance allein sind es nicht. Denn die kontinuierliche Strahlkraft, die Beständigkeit des bewussten Wirkens und die hohe Resonanz aus den Konzerten und den Medien in Basel und anderswo spiegeln sich vor allem im unternehmerischen und künstlerischen Selbstverständnis des Kammerorchester Basel: mit neuen Ideen und Partnerschaften, mit nachhaltigen betrieblichen Strukturen zwischen lokaler Verankerung und internationalem Austausch. Und nicht zuletzt geht es auch darum, mit Musik gesellschaftliche Relevanz zu beweisen, ganz besonders in einer zunehmend verunsicherten und mehr als nur unruhigen Welt. So entsteht eine Wirkung, die weit über den Konzertsaal hinausreicht. 

Beat Oberlin, Präsident Verein Kammerorchester Basel 

Das Kammerorchester Basel probt viel und spielt oft

«Heute haben wir wenig geprobt», erzähle ich meinem Sohn, wenn wir eine nur dreistündige Probe hatten. Viel Proben heisst bei uns nicht, (sich) ständig zu wiederholen.

Es bedeutet, die Ohren offen zu halten, sensibel zu reagieren, immer wieder Neues zu riskieren und so gemeinsam Lösungen zu finden. Wenn uns das gelingt, braucht es nicht zwingend sechs Stunden oder mehr. Was bei uns im Proberaum entsteht, trägt meist schon den Funken eines Konzertes in sich. Das Musizieren beginnt nicht erst auf der Bühne. Wir spielen oft – ja, das tun wir! – nicht nur in Basel, sondern in der ganzen Welt: Wien, Paris, Istanbul, warum nicht auch São Paulo! Oft spielen – das bedeutet mehr als nur manchmal, nach einem Konzert noch einmal zusammenzusitzen, um eine Liveaufnahme zu verfeinern. Oder am nächsten Morgen schon wieder mit dem Instrument unter dem Kinn neue Werke anzugehen, weil das nächste Konzert nicht wartet. 
Nur so entstehen jene Präzision, eine spezielle Klangkultur und unsere Spielfreude, die zu uns gehören. Viel proben und oft spielen sind dasselbe.

Tamás Vásárhelyi, Violine

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Das Kammerorchester Basel spielt vieles für viele

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Wir spielen Musik aus allen Jahrhunderten: Bach und Rihm, Alte Musik und Uraufführungen.

Wir spielen Werke, die berühren, überraschen, herausfordern, begeistern, und das eine oder andere Mal ein Lächeln hervorzaubern oder auch Tränen fliessen lassen. Wir spielen im Konzertsaal, Klassenzimmer, in Mehrzweckhallen, im Rehab, im Museum und unter freiem Himmel, an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt… aber auch in unserem Basel. Wir spielen für Kinder und Jugendliche, für Senior:innen, für Menschen jeglichen Alters. Wir begegnen unserem Publikum in unseren «Kostproben» und dann in unseren Konzerten, wo wir sie seit Jahren zu unseren treuen Fans und Freund:innen zählen dürfen. Vor ihnen können wir beweisen, dass Musik Menschen über Generationen, Lebenswelten und kulturelle Unterschiede hinweg verbindet. Und dazu gehört unsere in allen Belangen erprobte Vielfältigkeit. Einmal spielen wir in Kammermusikformation ein Vermittlungsprojekt, einmal sind wir als kleines Barockensemble unterwegs, mal als grosses Sinfonieorchester. «Vieles für viele» bedeutet für uns: offen sein, neugierig bleiben, Neues wagen und dabei Qualität und künstlerische Tiefe nie aus den Ohren und Augen verlieren.

Mirjam Steymans-Brenner, Violine

Das Kammerorchester Basel ist ein guter Partner und hat viele Freund:innen

Das Kammerorchester Basel und sein Freundeskreis bilden eine Partnerschaft auf der Basis von Verlässlichkeit und Freundschaft.

Diese enge Verbindung zeigt, wie stark das Kammerorchester Basel in seinem Umfeld verwurzelt ist. Gegenseitiges Vertrauen, Freundschaft und das Streben nach musikalischer Exzellenz verbinden die Beteiligten auf künstlerischer Ebene. Aber auch auf Seiten der Fördernden, Unterstützenden und des Publikums ist das Kammerorchester Basel ein relevanter Partner in der Musikszene der Region Basel. Viele langjährige Wegbegleiter:innen, Institutionen und private Fördernde bestätigen dies durch ihr langjähriges Engagement. Im Freundeskreis werden die persönlichen Begegnungen mit den Musiker:innen mit ihrer stets spürbaren Empathie für die Musik und ihr Orchester nicht nur wertgeschätzt, sondern mit starkem Interesse rezipiert. Und dies weit über den normalen Rahmen hinaus, weil die Konzerte des Kammerorchester Basel immer sowohl musikalische Bereicherung als auch eine Kulturerfahrung im Besonderen darstellen. Gerade im Freundeskreis zeigt sich, wie eine gemeinsame Vision Menschen zusammenbringt – und wie aus Unterstützung echtes Zusammenwirken entstehen kann. Das Kammerorchester Basel ist ein starker Partner mit vielen Freund:innen. Dem Ausspruch Nietzsches «Ein Leben ohne Musik wäre ein Irrtum» ist nichts hinzuzufügen.

Dorothee Widmer, Präsidentin Freundeskreis Kammerorchester Basel

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Das Kammerorchester Basel ist selbstständig und eigenständig zugleich

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Als selbstständiges Orchesterensemble ohne Chefdirigent:in oder institutionelle Anbindung verstehen wir uns als unabhängig innovativ und flexibel.

Diese Charakteristik ermöglicht uns, künstlerische Entscheidungen frei zu treffen und eigene Projekte mit hohem Anspruch zu realisieren. Wir folgen in der klanglichen Ausrichtung keiner starren Tradition, sondern wir entwickeln unseren Stil, der historisch informierte Aufführungspraxis mit zeitgenössischer Interpretation verbindet.
Flache Hierarchien und gemeinsame Verantwortung, im Besonderen für die künstlerische Programmplanung, fördern kreative Prozesse und eine besondere Identifikation von uns allen mit unserem Orchester. In dieser Balance zwischen Selbstständigkeit als Institution und Eigenständigkeit im künstlerischen Ausdruck liegt die Bedeutung des Modells des Kammerorchester Basel.

Regula Schär, Violine

Das Kammerorchester Basel leistet viel und unternimmt noch mehr

Dass das Kammerorchester Basel immer ein bisschen mehr tut, gehört zu unserem Geschäftsmodell und bedeutet: mehr spielen, mehr proben, mehr reisen.

Es heisst gleichzeitig: mehr querdenken und immer wieder Neues riskieren. Das war vor 25 Jahren so, als die Musiker:innen ihre ersten internationalen Sporen mit grossem persönlichem, auch finanziellem Einsatz erarbeitet haben. Und das ist heute immer noch so, wenn wir in der Arbeit mit jungen Nachwuchsmusiker:innen die Perspektive wechseln, oder uns in unserer Publikumsansprache anders verlautbaren als andere.
Die Rolle der Direktion ist die der Antreiberin, Impulsgeberin und Motivatorin, die sich konsequent der Weiterentwicklung dieses als teamgeleiteten Orchesterbetriebs verpflichtet sieht. Das beginnt beim Gefüge aus Musiker:innen, Gastkünstler:innen, Partnerinstitutionen, Förder:innen und Publikum, herausgefordert durch immer wieder vielversprechende, aber auch nötige Pläne für morgen und übermorgen. Dieses interne wie externe Beziehungsnetz bildet die Grundlage für den musikalischen Entdeckergeist und unser unternehmerisches Selbstverständnis.
Dazu gehört zwingend, dass das Risiko grösser ist als die intendierte Sicherheit. Es ist der Einsatz für das, was die Existenz des Kammerorchester Basel im Kern ausmacht.

Marcel Falk, Direktor Kammerorchester Basel

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